Tschööö WhatsApp, ich bin dann mal weg...

WhatsApp hat inzwischen die letzten Tage seines Daseins auf meinem Smartphone gefristet: Ich nutze jetzt nur noch den Messenger Signal (bislang "TextSecure"). Gründe dafür gibt es viele. Wer es gerne detailliert haben möchte: weiter unten stehen ein paar Hintergründe.

Die Kurzfassung lautet: Ich lege zumindest etwas Wert auf das Grundrecht Privatsphäre und möchte ein Bewusstsein dafür schaffen.

Nein, ich bin ganz sicher nicht paranoid und es geht hier auch nicht um irgendwelche dubiosen Verschwörungen :-)

Einige behaupten salopp, sie hätten "nichts zu verbergen" und die kommerzielle oder staatliche Verwendung Ihrer privaten Daten durch WhatsApp sei ihnen egal. Klingt ja auch zunächst einmal logisch und nachvollziehbar. Aber diese Sicht ist leider sehr oberflächlich. Denen, die so denken, lege ich nahe, sich mal mit folgender Äußerung von Edward Snowden gedanklich auseinander zu setzen:

"Arguing that you don't care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don't care about free speech because you have nothing to say.
People who use the "I have nothing to hide" line don't understand the basic foundation of human rights. Nobody needs to justify why they 'need' a right. The burden of justification falls on the one seeking to infringe upon the right."

Ich möchte nicht auch noch aktiv dazu beitragen, dass Unternehmen und/oder Regierungen durch das ungenierte Sammeln von Kontakt- und Beziehungsdaten ein Profil von mir erstellen können, das mich noch genauer beschreibt als ich es selber könnte. Allein den Gedanken finde ich schon gruselig. Es wird auch nicht besser, wenn man sich überlegt, was passieren kann, wenn solche Profile (beispielsweise durch einen Hack) in falsche Hände geraten.

Da WhatsApp zur Datenkrake Facebook gehört und meine ganzen Unterhaltungen "mitliest", ist das lediglich konsequent, wenn auch nur ein Anfang. Aus dem gleichen Grund wird bei mir in Kürze auch Facebook der Vergangenheit angehören, aber das ist eine andere Sache.

Auf den Komfort von "cloud-basierten" Einzel- oder Gruppenkonversationen möchte ich natürlich nicht verzichten, daher wird bei mir jetzt die (kostenlose und sichere) Messenger-App Signal (anstelle von WhatsApp) genutzt. Mehr dazu weiter unten...

 


Wer Langeweile hat und/oder Wert auf Hintergrundinformationen legt... ;-)

Man konnte in den letzten Monaten/Jahren reichlich Schlagzeilen lesen über WhatsApp hinsichtlich:

Außerdem: US-Behörden (und vermutlich nicht nur die) bekommen anscheinend problemlos Zugriff auf WhatsApp-Chats. Man verliert darüber hinaus die Rechte an verschickten Dateien (vor allem deshalb brisant, weil WhatsApp ja inzwischen zu Facebook gehört).

Nochmal zur Unterstreichung: WhatsApp gehört zu Facebook, dem Datensammler und Datenschutzverhinderer weltweit. WhatsApp hat deshalb ein unbändiges kommerzielles Interesse an der Nutzung sämtlicher durch den Dienst erlangbarer Informationen, vor allem für die weitere Nutzung mit Facebook.


Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnet Daten als "Rohstoffe des 21. Jahrhunderts" und konkretisiert: "Hier müssen wir jetzt aufpassen, dass der Datenschutz nicht die Oberhand über die wirtschaftliche Verarbeitung gewinnt".
Und "Datensparsamkeit passe nicht zum Geschäftsmodell Big Data", meint Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel.

Da frage ich mich: Wirtschaftsinteressen sind also fundamentaler als unsere Grundrechte?!

 
 

Ein paar Gründe für Signal (von Open Whisper Systems):

 

Nennenswerte Alternativen (alle immer noch sicherer als WhatsApp, aber nicht meine Wahl):

 

Vielleicht noch als Anekdote zum Schluss: der unterhaltsame Blog-Eintrag "Mein Leben ohne WhatsApp: Warum wir alle darauf verzichten sollten"